Galileo: Der Rätselmacher

Galileo
Beitrag: Der Rätselmacher
Länge: 6’08

Teaser:
I    Das schwerste  Rätsel  – man liebt oder haßt es, aber wer macht es?
II    Der Rätselmacher – wie baut er aus einem Kuchen das schwerste Rätsel Deutschlands?

Anmoderationsvorschlag:
Gehören Sie auch zu den Menschen, die über Rätseln tagelang brüten oder gerne Kopfnüsse knacken? Schauen Sie mal, hier im SZ-Magazin gibt es das berühmte Rätselrennen (Aiman blättert im aktuellen Heft, kommt am Freitag vor der Sendung raus): es gilt als das schwerste Rätsel und wird von einem Mann gebaut, der nur unter dem Pseudonym CUS bekannt ist. Keiner kennt sein Gesicht, aber sein Name treibt vielen Rätselratern die Schweißperlen auf die Stirn. Wir haben den besten und gleichzeitig gemeinsten Rätselmacher Deutschlands besucht, um Ihnen erklären zu können, wie ein gutes Rätsel entsteht.

TEXT

2’02
Eine typische Situation im Leben eines Rätselraters.

2’07 – 2’42 freistehen lassen
„Lebensgemeinschaft mit drei Buchstaben?“
„Na, Ehe!“
„Der Vater welcher Person ist der Schwiegervater meines Vaters?“
„Äh, meine Mutter?“
„Ja, stimmt. Du, dann weißt du bestimmt auch das: Die blonde Erika wurde im September 1945 in München geboren, ihr Mädchenname war Gabler. Wie heißt diese Frau mit Nachnamen?“

2’43
Zu schwer? Nicht lösbar? Zuviel Denkarbeit? Es ist eben ein echtes CUS-Rätsel und stammt aus dem Gehirn dieses Mannes. Er ist von Beruf Rätselmacher und nennt sich CUS. Sein echter Name, Alter, Herkunft und sein Gesicht – unbekannt. Das hat einen Grund.

3’01 – 3’24 O-TON
keine BB
„Das ist einerseits Selbstschutz. Gerade auch jetzt während des Rätselrennens ist es mir ganz recht, dass ich unerkannt durch die Straßen gehen kann und mich niemand anhält, weil er die Lösung für eine Frage unbedingt wissen will. Andererseits gehört es auch dazu: der Rätselmacher muss ein Rätsel bleiben.“

3’26
Er erfindet für viele Zeitschriften immer wieder neue Rätselfragen. Kein Rätsel wiederholt sich – das ist Ehrensache und es ist reine Handarbeit. Keine Frage stammt aus dem Computer. CUS ist einer der besten Rätselmacher und auch das hat seinen Grund.

3’43 – 4’06 O-TON
keine BB
“Es ist die Art der Denke. Ein bisschen anders denken, als die meisten Leute denken würden und hinter Dingen ein Rätsel sehen, hinter denen sie gar nichts vermuten würden. Beim täglichen Zeitungslesen im Café fallen mir Dinge auf, ich reiße mir fast jedesmal eine Seite raus oder sogar zwei, wo ich denke, ach, daraus könnte man mal etwas basteln.“

4’07
Er bastelt Kreuzworträtsel, Zahlenspiele oder Denkaufgaben und lockt dabei seine Rater geschickt auf die falsche Fährte.

4’17
Zum Beispiel Kreuzworträtsel: Der erste Schritt ist ein ausgefülltes Wortgitter.

4’25
Im zweiten Schritt denkt er sich für die Worte in den Feldern Umschreibungen aus, die möglichst um viele Ecken gedacht sind. Das erhöht den Spiel- und Knacktrieb des Raters.

4’37
Nehmen wir das Wort Ehe – CUS ist der Meinung, dass man dazu auch In-Team sagen könnte. 60 Umschreibungen hat er sich schon für Ehe ausgedacht: Liebeslänglich…

4’49
Beginnt  mit der Schließung…

4’51
Oder: Weil sich alleine keiner traut.

4’57
Auch mit Streichhölzern vertreibt sich CUS gerne die Zeit. Dabei kommen immer wieder neue Rätsel heraus.

5’09
Wie viele Streichhölzer braucht man wohl, damit die Rechnung stimmt?

5’16
CUS braucht nur einen, damit 550 herauskommt.

5’22
Berüchtigt ist CUS für seine Rätsel-Textaufgaben: Um an die richtige Lösung zu kommen, müssen die Rater oft hart und tagelang recherchieren, weil sie zum Beispiel die Anzahl der Schritte von Neil Armstrong auf dem Mond herauskriegen sollen.

5’41
Für diese Recherche- und Wissensrätsel braucht CUS erst einmal eine Idee und die kann er überall bekommen. Auch im Café. Da fällt einem schon mal der Schlager von Udo Jürgens ein.

5’59
„Aber bitte mit Sahne“? – Der Songtext ist doch ideal! Da treffen sich Damen täglich und fressen sich an Torten zu Tode.

6’06 – 6’25 O-TON
keine BB
„Das liest sich ja fast wie ein Krimi. Drei sterben schon, aber eine kommt noch und was die dann noch für Torten isst und dann auch noch stirbt.. Also das ist ein ganz interessanter Handlungsablauf, der sonst in Schlagertexten gar nicht vorkommt und daraus kann man ein schönes Rätsel basteln.“

6’26
Das Rätsel im Heft ist dann so verschlüsselt, dass der Rater nicht gleich auf den Schlager kommt. Hier die Originalfrage:
Überschrift Todesschlag. Die bedauernswerte Dame rechts unten war die letzte, die noch treu zur Fahne hielt. Wie hieß diese Dame?

6’48
Auf die Antwort kommt nur, wer sich an den Schlagertext erinnert.

6’54
Rätselfragen dieser Art bringt CUS jeden Sommer zum Magazin der Süddeutschen Zeitung. Chefredakeur Jan Weiler startet jährlich ein großes Rätselrennen. Seit neun Jahren arbeitet er mit CUS zusammen. Weiß er mehr?

7’08 –7’18  O-TON
7’10 –7’18  BB: Jan Weiler, SZ-Magazin
„Er ist Mensch, er ist ein netter Mensch. Ich kann aber nicht sagen, wer er ist, ich kann nur sagen, was ist er ist: nämlich genial.“

7’19
Das Rätsel im aktuellen SZ-Magazin gilt als das härteste Rätsel Deutschlands. Jan Weiler überprüft CUS’ Fragen.

7’26 – 7’40  O-TON
7’26 – 7’36  BB: Jan Weiler, SZ-Magazin
“Ich hasse Rätsel, ich finde es eine unglaubliche Zeitverschwendung, aber ich habe zu akzeptieren, dass man ohne das Rätsel nicht leben kann.”

7’41
Kann er die Fragen sofort lösen, fliegen sie aus dem Rätsel, sind sie zu schwer, muss CUS nachbessern.

7’49
Die Rater müssen 36 Fragen in zwei Wochen lösen. Nur der Chefredakteur und CUS wissen derzeit die Lösung – erst nach Einsendeschluß lüftet CUS das Geheimnis…

 

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